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Der Bergfried

Mit einem Durchmesser von 12 Meter erhebt sich der untere Teil des Bergfrieds, das frühere Verlies, bis zu einer Höhe von 14,20 Meter ohne jede öffnung. Der von den heutigen Besuchern benutzte Eingang wurde erst im Frühjahr 1837 gebrochen, um den Bergfried besteigbar zu machen. Damals entfernte man auch das Kuppelgewölbe, welches das Verlies abschloss, und die drei Balkendecken der darüberliegenden Zwischengeschosse, um eine durchgehende Eichentreppe einbauen zu können.
Danach erstreckt sich der obere Teil des Bergfrieds mit einem Durchmesser von 11,25 Meter um weitere 15,60 Meter bis zur Plattform. Insgesamt ist der Bergfried fast 30 Meter hoch. Der früher vorhandene Zinnenkranz auf der Turmplattform ist ebenso verschwunden wie ein vermutlich in spätgotischer Zeit erneuertes haubenförmiges Dach mit einer sogenannten Laterne in der Spitze und vier Fall-Erkern.
Der unterste Raum, das sogenannte Verlies, hat nur 4 Meter Durchmesser bei 11,50 Meter Höhe; die Mauerstärke beträgt also fast 4 Meter. Die Decke des Verlieses bildete ein Kuppelgewölbe, in dessen Mitte ein viereckiger, beweglicher Schlussstein eingesetzt war. Wenn man ihn anhob, entstand eine öffnung, durch die Gefangene, Vorräte, usw., hinabgelassen werden konnten.

Blick aus dem Albertus-Bau auf den Bergfried. Vor dem Bergfried ein Teil der Mantelmauer.

Links: Blick vom Hof der Unterburg auf Teile der Mantelmauer, die Ober- und Unterburg voneinander trennt.
Der einzige Eingang des Bergfrieds befand sich in einer Höhe von 15,25 Meter über dem Boden und war nur durch eine hohe Leiter erreichbar. Dieser Eingang von 1,40 Meter Höhe und 0,70 Meter Breite im Rundbogen überwölbt, erweiterte sich in der 3 Meter starken Mauer nach innen auf 1,10 Meter und wurde durch eine doppelte Tür verschlossen. Im Boden der so gebildeten Türnische befand sich eine Falltür, durch welche eine schräg durch das Gewölbe in das Verlies hinabführte 1,50 Meter lange und 0,80 Meter breite öffnung verschlossen wurde. In friedlichen Zeiten konnten die Eingangstür des Turms und die Falltür gleichzeitig geöffnet werden. Im Belagerungsfall, wenn es den Feinden gelungen war, den schmalen Eingang zu ersteigen, konnte nur ein Mann nach dem anderen eindringen, um dann von den Insassen des Bergfrieds durch die geöffnete Falltür in das Verlies hinabgestoßen zu werden, bevor er in der engen Türnische von seinen Waffen Gebrauch machen konnte.
über dem Verlies lag der 4,70 Meter hohe und mit einer Balkendecke versehene Hauptwohnraum des Bergfrieds. Nur durch zwei schmale Schlitze, die unmittelbar unter der Decke angebracht waren, wurden ihm Tageslicht und Luft zugeführt. über diesem Hauptwohnraum befanden sich noch drei weitere Zwischengeschosse. Die Balken ihrer Decke ruhten auf Absätzen der Mauer, deren Stärke nach oben bis auf 2 Meter abnahm und somit für das oberste Gemach einen Durchmesser von 9,20 Meter ergab. Öffnungen in den Balkendecken und Leitern ermöglichten die Verbindung zwischen den verschiedenen Geschossen, von denen aber nur das oberste ein Fenster besaß. Heizmöglichkeiten - außer einem offenen Feuer - gab es keine. Nimmt man an, dass nur der unterste Raum über dem Verlies und das oberste Gemach als eigentliche Wohnräume dienten, die beiden Zwischengeschosse aber als Schlaf- und Vorratsräume benutzt wurden, so konnten sich im Notfall 50 bis 60 Personen im Bergfried aufhalten, und zwar - je nach Wasser- und sonstigen Vorräten - für etwa 30 bis 40 Tage.