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Die "Stadt" Gleiberg

Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert
entwickelte sich direkt unterhalb der Burg eine Siedlung, in der Bedienstete der Burgherren und Burgmannen, d. h. zur Verteidigung der Gleiburg verpflichtete Ritter, wohnten.
Am 28. Februar 1331 erhielt der Ort von Kaiser Ludwig IV. (1314-1347) Frankfurter Stadtrecht. Damit verbunden war das Privileg eines Wochenmarktes.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt mit einer starken Mauer umgeben, deren Reste einschließlich der beiden Tore noch erhalten sind. Im gleichen Jahrhundert errichtete man eine eigene Kirche an der alten Burgstraße. Die Burgmannen bestimmten das Leben in der Siedlung. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen und großen Heere verloren sie ihre Funktion und Bedeutung. Einige Gebäude sind noch heute durch ihre Größe als ehemalige Burgmannenhäuser zu erkennen.

Links: Dorfbrunnen in Gleiberg.
Es muß offen bleiben, welche Entwicklung die Stadt genommen hätte, wenn die Gleiburg, wie im Mittelalter, Mittelpunkt einer Grafschaft und Residenz eines mächtigen Grafengeschlechtes geblieben wäre, und nicht, wie in nassauischer Zeit, lediglich Sitz eines Amtmannes.
Sicher ist jedenfalls, dass die Rahmenbedingungen äußerst ungünstig waren. Zwar genossen die Einwohner Gleibergs gegenüber der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern eine Reihe von Privilegien (u.a. die Befreiung von Steuern, Leibeigenschaft und Frondiensten). Diese wurden allerdings durch eine Reihe von negativen Faktoren mehr als aufgewogen: Die Lage der Stadt hoch oben auf dem Basaltkegel und abseits aller wichtigen Straßen, die Beengtheit innerhalb der Mauern und die dadurch bedingten Schwierigkeiten bei der Entfaltung größerer Handels- und Gewerbeaktivitäten, die äußerst kleine Gemarkungsfläche, die kaum Möglichkeiten für eine landwirtschaftliche Betätigung bot, schließlich die Tatsache, dass die bäuerliche Bevölkerung der Umgebung von Anfang an den beschwerlichen Weg auf die Gleiberger Wochenmärkte scheute.

Links: Die Siegel der in Gleiberg ansässigen Zünfte (Quelle: Gleiberg-Verein, 1929).
Nach der Zerstörung der Oberburg (1646) geriet die Siedlung weiter ins Abseits. Der Wegfall der ursprünglichen Schutz- und Verteidigungsfunktion zwang die Bürger, unter ungünstigen Bedingungen auf eine landwirtschaftliche Betätigung umzusteigen. Viele zogen in das benachbarte Krofdorf. 1694 wandelte man die Wochenmärkte in zwei Jahrmärkte um. 1721 vernichtete ein Brand 30, 1729 ein weiterer 10 Häuser. 1734 wurden die Verwaltung der vereinigten Justizämter Gleiberg und Hüttenberg sowie die Rentei von Gleiberg nach Atzbach verlegt. Die Handwerkerzünfte folgten ebenfalls. Die nie völlig geglückte Stadterhebung war endgültig gescheitert.
Erst 1970 konnte der Ort mit 420 Einwohnern wieder den Stand des Jahres 1542 erreichen!

Oben: Blick in die Torstraße um 1950. Das stattliche Gebäude in der Mitte ("Steindeckers" Haus, Torstraße 8) ist eines der zahlreichen Burgmannenhäuser innerhalb der Gleiberger "Stadtmauern". Sie wurden von Rittern (Burgmannen) bewohnt, die meist zum niederen Adel des heimischen Raumes gehörten und zur Verteidigung der Gleiburg verpflichtet waren. Die Burgmannenhäuser trugen noch bis ins 20. Jahrhundert den Dorfnamen "Herrschaftshäuser" und ihre Bewohner besaßen verschiedene Sonderrechte. (Quelle: Gemeinde Wettenberg, 1991)

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Burg Gleiberg

Siedlung Gleiberg